Feminine, epithesengeeignete Lingerie: 6 Marken zum Entdecken

(© Garance)

Kürzlich war ich das erste Mal in meinem Leben im Sanitätshaus. Ich hoffe ehrlich, dass das Geschäft, in dem ich war, nicht stellvertretend für andere Sanitätshäuser in Deutschland steht, denn ich war s-c-h-o-c-k-i-e-r-t! Weniger einladende Einkaufsatmosphäre und Flair sind kaum noch möglich. Immerhin war die Mitarbeiterin unheimlich nett und fürsorglich, das hat einiges wieder rausgerissen. Aber wie dort in einem Regal bei schlechter Beleuchtung die Kniebandage neben Stützstrümpfen und Gymastikmatte lag, gekrönt von einem beigefarbenen Mastektomie-BH, der einsam seinen Platz dazwischen gefunden hatte – da fiel mir nichts mehr ein! Ich fragte mich, wie um Himmels Willen eine Frau, die mit der Diagnose Brustkrebs und operativen Konsequenzen konfrontiert wurde, in so einem Umfeld wieder eine Annäherung an ihren Körper und ihre Weiblichkeit oder Freude am Unterwäschekauf finden sollte?

Glücklicherweise gibt es mit Le Néné in Stuttgart oder Seamless Secrets in Essen mittlerweile Wäschegeschäfte, die sich speziell auf Lingerie und Bademode für Frauen nach einer Brustkrebserkrankung und Operation spezialisiert haben. Weitere Wäschegeschäfte in Deutschland, die epithesengeeignete Lingerie und eine gute Beratung bieten, findet ihr in meiner Sammlung empfehlenswerter Lingeriegeschäfte.

Heute habe ich sechs Marken für euch, die ich 2015 entdeckt habe, und die die Fortsetzung meines Artikels Epithesengeeignete Wohlfühlmodelle zum Schwelgen aus 2014 bilden. Auf Facebook habe ich mittlerweile Rückmeldungen bekommen, dass unter meinen LeserInnen auch Frauen sind, die selbst von Brustkrebs betroffen waren, und habe mich darum entschieden, zukünftig mehr über Lingerie zu schreiben, die nach einer Brustamputation oder Mastektomie mit oder ohne Brustwiederaufbau geeignet ist.

AIKYOU

AIKYOU blanche_Audrey+Stella (2015)

(© AIKYOU)

Letzte Woche frisch in mein Emailpostfach geflattert: Die schöne Nachricht, dass die deutsche Marke AIKYOU mit der Linie AIKYOU blanche jetzt auch zwei epithesengeeignete BH-Modelle anbietet! Speziell für Frauen mit kleinen Körbchen designt, möchten Gabriele Meinl und Bianca Renninger nun auch Frauen, die ihre Brust ganz oder teilweise durch Brustkrebs verloren haben, bequeme und modische Designs anbieten. „Audrey blanche“ und „Stella blanche“ besitzen Taschen zum Einlegen von Prothesen, die Nähte wurden noch weicher und flacher verarbeitet als sie es bei AIKYOU eh schon sind, so dass die BHs auch während der postoperativen Nachsorge getragen werden können. Zusätzlich ist die verwendete Baumwolle nicht nur Bio und Fairtrade, sondern auch schadstoffrei und hautfreundlich nach den GOTS-Richtlinien sowie dem Oeko-Tex Standard 100. // Erhältlich bei Le Néné in Stuttgart. // Homepage: AIKYOU

AnaOno

AnaOno_Kelly Lace Racerback Bra_Light Pink

(© AnaOno)

AnaOno ist eine neue Marke aus den USA, die von Dana Donofree gegründet wurde als sie nach einer eigenen Brustkrebserkrankungen keine Wäsche fand, in der sie sich wohl, schön und selbstbewusst fühlen konnte. Oben im Bild seht ihr den „Kelly Lace Racerback Bra“, einen der Bestseller der Marke. Bislang enthalten die BHs von AnaOno noch keine eingenähten Taschen. Dana war so freundlich, mir den Hintergrund zu erklären: Ursprünglich hat sie ihre BHs für Frauen nach einer Brustrekonstruktion konzipiert. Weil jedoch die Nachfrage nach epithsengeeigneten Modellen stark ist, wird AnaOno 2016 auch BHs mit eingenähten Taschen zum Einlegen von Brustprothesen auf den Markt bringen. Ich mag übrigens den farbenfrohen, frischen Stil von AnaOno sehr und das Video unten ist eines meiner liebsten Lingerievideos in 2015! // Bislang ist AnaOno noch nicht in Deutschland erhältlich. // Homepage: AnaOno

Bibi&Bibi

Die französische Marke Bibi&Bibi hat leider noch nicht auf meine Anfrage geantwortet, so dass ich euch vorerst kein Bild zeigen kann. Vorstellen möchte ich euch die Marke trotzdem, denn sie bieten charmant-elegante Modelle. Die Serie „Caroline“ in petrol ist mein aktueller Favorit! // Erhältlich bei Le Néné in Stuttgart. // Homepage: Bibi&Bibi

Garance

Garance (2)

(© Garance)

Garance kommt ebenfalls aus Frankreich und wurde 2012 von Cécile Pasquinelli Vu-Hong nach einer eigenen Brustkrebserkrankung gegründet. Cécile möchte anderen Frauen mit ihrer Lingerie und Bademode Hoffnung und ein Gefühl von Weiblichkeit zurückgeben. In ihren Augen ist eine Frau nicht weniger eine Frau, weil sie an Brustkrebs erkrankte und einen Teil der Brust oder beide Brüste hergeben musste. Ihr Traum ist es, dass eine Frau nach der Erkrankung überall schöne Wäsche kaufen können sollte. Nicht nur in der Ecke eines Sanitätshauses, das sie bei jedem Besuch an ihre Krankheit erinnern würde. Ich muss zugeben, dass Garance mich stark begeistert! Geht euch das nicht auch so? // Erhältlich bei Le Néné in Stuttgart. // Homepage: Garance

Garance Swimwear

(© Garance)

Lorna Drew

Lorna Drew_Mastectomy Collection 3

(© Lorna Drew)

Lorna Drew ist eine britische Marke, die mit modischen Schwangerschafts- und Still-BHs gestartet ist und ihr Sortiment diesen Herbst auch auf prothesengeeignete Lingerie ausgeweitet hat. Ich hatte in den Highlights der Woche 05-2015 schon kurz darüber berichtet. Für Lorna war es nur der nächste logische Schritt, nachdem sie von Geschäften die Rückmeldung erhalten hatte, dass Frauen Lorna Drew Still-BHs als Mastektomie-BHs verwendeten, da sie eingenähte Taschen für Stillpads besitzen. Allerdings besaßen diese kreativ zweckentfremdeten BHs natürlich auch Stillclips, was sicher nicht der Traum jeder nicht-stillenden Frau ist, so dass Lorna sich entschied, gleich eine epithesengeeignete Linie ohne Stillclips zu entwerfen. // Erhältlich bei Le Néné in Stuttgart. // Homepage: Lorna Drew

Lorna Drew_Mastectomy Collection 1

(© Lorna Drew)

Red Fern Lingerie

Red Fern_Camellia-Marie (Joy of Marie-Collection)

(© Red Fern Lingerie)

Red Fern Lingerie stammt aus Australien und wurde von Tina Doueihi gegründet. Wie Tina auf der Red Fern-Homepage schreibt, erkrankte sie 2008 im Alter von 37 Jahren an Brustkrebs. Davor trug sie Marken wie Simone Pérèle, Chantelle, La Perla oder Elle Macpherson Intimates. Danach fand sie nur noch „funktionale und langweilige BHs, in denen sie sich fühlte wie ihre eigene Ur-Ur-Großmutter“. Nicht gewillt, diese Auswahl – die im Grund keine war – hinzunehmen, ging wenige Jahre später Red Fern Lingerie an den Start. Daumen hoch, ich bin immer wieder beeindruckt von soviel Unternehmergeist und Mut! // Bislang ist Red Fern noch nicht in Deutschland erhältlich. // Homepage: Red Fern Lingerie

Red Fern_Amelia-Marie (Joy of Marie-Collection)

(© Red Fern Lingerie)

Wie gefallen euch die Marken? Und wo seht ihr selbst noch Lücken im Bereich epithesengeeigneter Lingerie?

Zum Weiterlesen:

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5 Kommentare

  1. Hallo Anja, jetzt habe ich doch glatt vergessen zu antworten, sorry.

    Also die meisten Frauen können wieder ganz normal bügellose oder auch sogar wieder BH’s mit Bügeln tragen. Es kommt immer ein wenig darauf an, an welcher Stelle der Brust operiert wurde. Kritisch wird es nur, wenn man eine Ausgleichsschale tragen muß oder möchte. In den Epithesen-BHs sind die Taschen ja schon drin, in den anderen müsste nachgerüstet werden. Das geht aber nicht bei allen Herstellern so gut.

    Tja und das mit den betroffenen Frauen nicht gesprochen wird, kann ich auch nicht nachvollziehen. Ich habe mit zwei Herstellern Kontakt gehabt, aber das Interesse war sehr gering. Ich habe auch eine Zeit als Model für brustoperierte Frauen gearbeitet, um spezielle Epithesen-BHs vorzuführen, die gab es dann aber nicht mehr in meiner Größe. Aber wie gesagt, ein großes Interesse an unseren Erfahrungen konnte ich leider nicht feststellen.

    Es ist also noch viel zu tun.

    Liebe Grüße Evi

  2. Hm Anja, das ist natürlich eine Erklärung.

    Aber, die meisten Frauen (wie auch ich) werden heute brusterhaltend operiert. Bei einem ist der Unterschied so gering, dass es gar nicht auffällt. Andere müssen eine Ausgleichsepithese tragen. Und bei diesen Frauen habe ich noch nicht gehört, dass die andere Brust angepasst wurde.

    Aus meiner Erfahrung, lässt man lieber alles so wie es ist. Ich habe für mich auch entschieden, nichts korrigieren zu lassen, auch wenn der Unterschied bei mir nur dem geübten Auge auffällt. Viele Frauen sagen einfach, nur nicht noch eine OP. Und für diese ist es dann schon schwer einen passenden BH zu finden.

    Aber für die Frauen nach einer Mastektomie kann ich die Erklärung nachvollziehen.

    Ich denke, es müsste generell ein Umdenken stattfinden. Die Hersteller müssten sich einfach mal die betroffenen Frauen anschauen, sich mit den Frauen auseinandersetzen. Wie alt sind sie, was wünschen sich diese Frauen? Aber auch, wie wird operiert? Was brauchen die Frauen nach ihren OPs? Das fehlt mir auch bei den Herstellern, die ich kenne.

    Also, noch viel Arbeit ist nötig 🙂

    • Tausend Dank für deine Infos aus erster Hand, Evi!

      Ich hab gleich schon wieder zwei Fragen im Kopf:
      1. Ist es nach einer brusterhaltenden Operation möglich, nach der postoperativen Zeit z. B. bügellose BHs zu tragen? Die gäbe es ja auch in großen Körbchengrößen, wobei auch die Designauswahl noch sehr ausbaufähig ist.
      2. Wie kann es sein, dass die Hersteller nicht betroffene Frauen selbst fragen? Das wäre für mich doch die erste Anlaufstelle, um herauszufinden, was diese Frauen wollen und brauchen!

      Ich habe die Hoffnung, dass sich auch dadurch etwas ändert, dass es mittlerweile einige Marken gibt, deren Gründerinnen selbst an Brustkrebs erkrankt waren und die ihre eigenen Erfahrungen mit einbringen!

  3. Liebe Anja,

    zwei sehr schöne Beiträge über dieses so wichtige Thema. Ich habe mich bei Deiner Schilderung des Sanitätshausbesuches wiedererkannt. Daran habe ich wirklich sehr schlechte Erinnerungen, sowohl was die Auswahl als auch die Beratung betraf.

    Und diese Beratungen haben mich letztenendes dazu gebracht ein Bra-Fitting-Studio zu eröffnen. Mein Plan für die Zukunft ist, auch brustoperierten Frauen ein schönes Sortiment und eine angenehme Beratung anzubieten.

    Generell sollte es noch mehr Modelle für junge Frauen geben, da ist eben oft noch der Oma-Style angesagt. Besonders wenn man bedenkt, wieviele junge Frauen diese Krankheit bekommen. Und die großen Größen sollten die Hersteller auch nicht vergessen. Leider geht es meistens nur bis D oder E.

    Aber Du hast tolle Firmen gefunden und mir schöne Anregungen geliefert. Dafür schon mal ein dickes Danke. Auch weil Du Dich diesem wichtigen Thema angenommen hast.

    Liebe Grüße Evi

    • Liebe Evi,
      herzlichen Dank für deinen Kommentar! Gib mir Bescheid, sobald du prothesengeeignete Modelle führst, dann ergänze ich es in meiner Übersicht der empfehlenswerten Geschäfte 🙂

      Letzte Woche habe ich nach festlichen, epithesengeeigneten Modellen für meine Weihnachtsempfehlungen recherchiert und es war echt traurig! Ich habe ein einziges Set in schönem Rot entdeckt, aber massenhaft Beige. Na klar hat ein beigefarbener T-Shirt-BH seine Berechtigung. Aber mehr Mut zu Farbe, Luxus, Sex-Appeal oder frechen Designs dürfte es schon sein!

      Was die Größen angeht, hatte ich auch einen ähnlichen Gedanken, bis ich die Erklärung bekam, dass es anscheinend nur wenig Bedarf nach größeren Körbchen gibt, weil bei einer Mastektomie bei einer Frau mit größeren Brüsten auch die gesunde Brust verkleinert wird, um den Ausgleich durch die Prothese leichter zu machen. Die Prothese soll ja möglichst dem Gewicht der Brust auf „der anderen Seite“ entsprechen, damit Frauen nicht noch durch unterschiedliche Gewichtsverteiltung links und rechts belastet werden. Trägt eine Frau z. B. 75G, müsste auch die Prothese einer Brust in 75G entsprechen, was wie mir gesagt wurde eher unpraktisch ist. Wie ist deine Einschätzung dazu?

      Liebe Grüße
      Anja

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