Im Interview: Agata vom Berliner Schönheitstanz-Studio

Dem Berliner Schönheitstanz-Studio verdanke ich meine erste Live-Erfahrung mit Burlesque: Von „A night of Burlesque & Polesque No.3“ bis zu meinem Schnuppertease bei der umwerfenden Lady Lou.

Gestern feierte das Studio seinen 7. Geburtstag. Genau der richtige Zeitpunkt, um mit Inhaberin Agata ein Gespräch über Burlesque, Pole und Lap Dance, der Wirkung auf das Selbstbewusstsein der Kurs-Teilnehmerinnen, Erotik, Körperakzeptanz und Agata selbst zu führen.

Damit ihr auch ein Bild vor Augen habt: Oben seht ihr sie vorn mittig, ganz rechts Lady Lou und links die charmante und stimmgewaltige Sängerin Alicia Emmi Berg, die „A night of Burlesque & Polesque No.3“ grandios moderiert und musikalisch begleitet hat! Dazwischen die bewundernswerten Absolventinnen des Schönheitstanz-Studios, die an diesem Abend ihr Bühnendebüt gaben.

Agata im Interview

Anja: Wie lange tanzt du selbst schon und wie bist du auf die Idee für das Schönheitstanz-Studio gekommen? Was ist für dich der Reiz am verführerischen Tanz?

Agata: Das Faszinierende an Pole– und Lap Dance ist, dass diese Verführungstänze diverse positive Effekte mit sich bringen. Die Körperhaltung wird verbessert, das Selbstbewusstsein gestärkt und ganz nebenbei wird der Körper fit gehalten. Vor 12 Jahren, also mit Mitte zwanzig, habe ich mit verführerischen Tänzen angefangen und ich entdeckte vor Jahren diese positiven Effekte an mir selbst.

Ich habe mehr als 6 Jahre als Striptease-Tänzerin gearbeitet, an der Stange und ohne Stange. Durch das Tanzen auf der Bühne hatte ich ein ganz neues Körpergefühl entdeckt und durch die teilweise sehr akrobatische Bewegungen an der Stange musste ich nie anderen Sport machen. Auf der Bühne spielt die Tänzerin immer eine bestimmte Rolle oder sagen wir “sie zeigt dem Publikum eine andere Seite” von sich. Das ist eine sehr interessante Erfahrung für mich gewesen.

Die Idee Schönheitstanz-Studio entstand einerseits durch die positiven Effekte, die das verführerische Tanzen sowohl psychisch als auch physisch mit sich brachte. Und andererseits durch eine Reise nach Kanada, wo ich Pole Dance, Sensual Movement und Burlesque Studios entdeckte, die dort bereits seit den 90er Jahren existierten. Mir gefiel die Idee sehr gut, dass unterschiedliche Frauen jeden Alters und egal mit welcher Statur den erotischen Tanz für sich als Freizeitvariante entdeckten. Deshalb habe ich nach meinem ersten Staatsexamen als Gymnasiallehrerin das Konzept entwickelt und realisiert. Ich bin meinem studierten Beruf als Lehrerin insofern treu geblieben.

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JunaMoon (© Steph Lensky Photography)

Anja: Hast du selbst tänzerische Vorbilder?

Agata: Mich haben viele wundervolle Tänzerinnen und Künstlerinnen inspiriert: Wie die Femmes Fatales der vergangenen Zeiten, die Berliner Tänzerin der zwanziger Jahre, Anita Berber, oder Burlesque-Performerinnen der heutigen Zeit, wie zum Beispiel Miss Dirty Martini. Zu meinen zeitgenössischen Pole Dance Inspirationen gehören Alethea Austin und Cleo the Hurricane.

Anja: Ich habe den Eindruck, dass verführerischer Tanz in all seinen Formen in den letzten Jahren immer „gesellschaftsfähiger“ geworden ist. Wie ist dein Eindruck? Hast du seit der Gründung 2008 Veränderungen gemerkt?

Agata: Definitiv sind es mittlerweile mehr Frauen, die zu uns kommen, seit 2008. Die Berührungsängste verschwinden Step by Step. Ich denke, dass sowieso sehr viele Frauen selbstbewusster mit dem Thema Erotik umgehen als noch vor einigen Jahren. Ich persönlich wünsche mir einen ähnlichen offenen Umgang mit dem Thema wie es in Australien oder Nordamerika der Fall ist. Aber dafür, dass das Angebot bei uns noch immer sehr neu ist, ist das Ergebnis nicht zu bemängeln.

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“A night of Burlesque & Polesque No.3″ (© Steph Lensky Photography)

Anja: Wer sind die Frauen, die zu euch kommen? Bunt gemischt oder gibt es Ähnlichkeiten? Und wie erklärst du dir das Interesse an Burlesque, Pole Dance und Lap Dance?

Agata: In meinem Studio unterrichte ich alle Frauen, die gerne diese Erfahrungen ganz ohne Publikum und nur unter Frauen erleben möchten. (Denn bei uns gilt „Ladies only“.) Ich denke, dass im Leben vieler moderner Frauen neben Arbeit, Partnerschaft, Familie und anderen Verpflichtungen keine Zeit mehr für die “(Wieder-)Entdeckung” der eigenen “verführerischen Seite” übrig bleibt. Ein Kurs im Schönheitstanz-Studio ist immer auch ein Stück Selbsterfahrung in geschützter, lockerer und fröhlicher Atmosphäre. Bei uns kann man lernen, sich selbst so zu lieben, wie man ist. Viele Frauen finden über Mundpropaganda zu uns, von Kundinnen, die dieses Erlebnis bei uns hatten.

Im Schönheitstanz geht es eben nicht um Perfektion, sondern um den Spaß, sich verführerisch zu bewegen und dabei noch den Körper zu trainieren. Es werden keinerlei Vorkenntnisse benötigt. Das Alter der Frauen liegt zwischen 25-60 Jahren. Zu mir kommen Frauen aus ganz unterschiedlichen Berufszweigen, die Pole – und Lap Dance für sich erlernen wollen. Nicht mit dem Ziel es beruflich anzuwenden, sondern mit dem Vorhaben eine ganz neue Seite an sich selbst zu entdecken. Manchmal ist aber schon auch der Hintergedanke dabei, den Partner (oder die Partnerin) mit einem verführerischen Tänzchen zuhause zu überraschen.

Anja: Mir gefällt vor allem auch die Philosophie eures Studios, die Teilnehmerinnen dabei zu unterstützen, ihre Sinnlichkeit und Weiblichkeit zu unterstützen. Und ihnen letztlich zu mehr Selbstbewusstsein zu verhelfen. Wie sind denn die Rückmeldung eurer Teilnehmerinnen? Was verändert sich kurz- und langfristig bei ihnen?

Agata: In allen Tanzrichtungen haben wir sehr viel positives Feedback von unseren Schülerinnen erhalten. Ich muss gestehen, dass es mich sehr glücklich macht, wenn ich sehe wie meine Teilnehmerinnen während des Unterrichts eine kleine Metamorphose durchleben und selbstbewusst und stolz die Kurse mit einem zufriedenen Lächeln verlassen und mir hinterher erzählen, welche fabelhaften Nachwirkungen meine Kurse auf ihr Privatleben haben.

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Agent Chardonnay (© Schwarz-Fotografie.net)

Anja: Hast du abschließend einen Tipp für Leserinnen, die zwar neugierig sind, sich aber noch nicht an verführerischen Tanz herantrauen? Oder die sich vielleicht noch zu unsicher fühlen, um sich mit nur wenig Bekleidung vor anderen zu zeigen?

Natürlich kann man die ersten Erfahrungen mit dem verführerischen Tanz zunächst auch in den eigenen vier Wänden machen und die “klassischen Filmszenen” des verführerischen Tanzes für sich ganz privat erkunden und vor einem Spiegel ausprobieren.

Doch ich kann nur raten, keine Scheu zu haben, zu uns zu kommen. Wir sind ein reines Frauenstudio. Typen mit kritischem und wertendem Blick gibt es bei uns nicht. Die persönliche Wohlfühlatmosphäre bei jeder Teilnehmerin liegt mir sehr am Herzen. Alle volljährige Frauen sind bei uns herzlich willkommen. Insbesondere auch Frauen, die keinerlei Erfahrungen haben oder sich unbeweglich und unsportlich fühlen oder ein besseres Körpergefühl erhalten möchten! Kommt vorbei und probiert einen Schnuppertease bei uns! 😉

Anja: Herzlichen Dank, Agata, für deine Zeit und die Beantwortung meiner Fragen!

Vorschau: Lady Lou im Interview

Im letzten Teil meiner kleinen 3-teiligen Burlesque-Reihe erwartet euch ein Interview mit Lady Lou, das ihr auf keinen, wirklich k-e-i-n-e-n Fall verpassen solltet! 🙂

Hättet ihr gedacht, dass Kurse im verführerischen Tanz so viel verändern können?

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Anja

Hi, ich bin Anja, Psychologin, Bloggerin und Gründerin von Everyday Boudoir. Auf Everyday Boudoir schreibe ich seit 2014 über schöne Lingerie, gut sitzende BHs und feminine Kleider für möglichst alle Größen.

Auf www.anja-wermann.de findest du außerdem Artikel zu Beziehungen, Sexualität und Körperakzeptanz. Schau doch mal rein!

2 Kommentare

    • Ich kann es dir nur empfehlen! 🙂 Und wenn du das Interview mit Lady Lou gelesen hast, bist du spätestens dann bestimmt restlos überzeugt! 😉 Allerdings geht sie ab Juli erst einmal in Mutterschutz und kommt voraussichtlich im Dezember zurück.

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