Die zwei Leben der Morgana Muses

Es gibt nur wenige Geschichten, die mich in letzter Zeit so bewegt haben, wie die Geschichte der Australierin Morgana Muses. Eine Geschichte, die so vieles anrührt, das mit weiblicher Sexualität, Alter, Körperbild, lieblosen Beziehungen und den Erwartungen an eine „gute (Haus) Frau und Mutter“ zu tun hat. Und einer Geschichte, die zeigt, dass es nie zu spät ist, sich selbst zu entdecken!

“As crude as this may sound, the best part of ageing, and not only when it comes to sexuality…is simply no longer giving a fuck!” (Morgana Muses – Quelle)

Morganas Geschichte wurde mittlerweile verfilmt und für die Postproduktion des Dokumentarfilms sucht das Drehteam noch bis 11. August Unterstützung über eine Crowdfunding-Kampagne. Warum ich glaube, dass ihr Morganas Geschichte kennen und die Kampagne über eine kleine oder größere Spende unterstützen solltet, erfahrt ihr im heutigen Artikel. [Kleine Vorwarnung vorab, da es auf Everyday Boudoir bislang unüblich war: Die Links enthalten teilweise explizites Bildmaterial.]

Das erste Leben der Morgana Muses

Der Beginn mutet ein wenig wie eine Geschichte aus den 1950er Jahren an: Morgana wird als Kind slowenischer Einwanderer in Australien geboren und wächst auf in dem Bewusstsein, dass eine Frau nur als Ehefrau und Mutter ihre Erfüllung finden könne und der Familie keine Schande bereiten solle.

(© Morgana Muses)

Morgana heiratet, bekommt zwei Töchter und lebt als „Vorzeigefrau“ eines beruflich erfolgreichen Mannes umgeben von weiteren verheirateten Paaren mit Kindern in einem Vorort im australischen New South Wales. Sie hadert mit ihrer Rolle als braver Hausfrau und Mutter, nimmt stark an Gewicht zu, wird daraufhin von ihrem Mann gehänselt und die Ehe entwickelt sich mehr und mehr zu einer lieb- und sexlosen Beziehung. Als Morgana Mitte 40 ist, lässt das Paar sich schließlich scheiden, und sie erlebt, wie sie von ihrer bisherigen Gemeinschaft ausgeschlossen wird. Im Grunde, so wird ihr vermittelt, soll sie als geschiedene Frau still und heimlich von der Bildfläche verschwinden. Morgana verzweifelt an ihrer Isolation und beschließt, sich 2012 im Alter von 47 Jahren das Leben zu nehmen. Vor diesem Schritt jedoch möchte sie ein letztes Mal Intimität, Berührung und gemeinsame Sexualität erleben und heuert einen Callboy an, mit dem sie die Nacht verbringt. Diese Nacht verändert ihr Leben, denn ein Funke erwacht in ihr, der sie letztlich dazu bringt, sich selbst als sexpositive feministische Pornodarstellerin und Filmemacherin neu zu erfinden.

Das zweite Leben der Morgana Muses

Nachdem Morgana im selben Jahr von einem Wettbewerb erfährt, in dem Filmdebüts in der Erotikbranche antreten können, beschließt sie, einen Film über das Ende ihrer Ehe und die Nacht mit ihrem Callboy zu drehen und sich selbst darin darzustellen. „Duty Bound“ gewinnt zu ihrer Überraschung den Petra Joy Award und wird auf dem Berliner Porn Film Festival gespielt. Sie zieht nach Berlin, findet hier neuen Anschluss und eine Gemeinschaft, die sie mit offenen Armen empfängt. Morgana gründet die Produktionsfirma Permission4Pleasure, schreibt, produziert, dreht und spielt bis heute in weiteren Filmen.

Szene aus „It’s my Birthday and I’ll fly if I want to“, indem Morgana sich anlässlich ihres 50. Geburtstages vom Seilkünstler Garth Knight fesseln ließ (© Morgana Muses, 2015)

Ihre ungewöhnliche Geschichte wurde als Dokumentarfilm von den Regisseurinnen und Ko-Produzentinnen Isabel Peppard und Josie Hess sowie Produzentin Karina Astrup verfilmt, die Morgana über zwei Jahre begleitet haben. Ursprünglich als Kurzfilm angelegt, wurde die Filmlänge auf 75 Minuten erweitert, um Morganas Entwicklung und komplexer Geschichte gerecht werden zu können. Dadurch stiegen natürlich auch die Kosten. Das Filmteam möchte jedoch unabhängig bleiben und den Film nicht an eine größere Produktionsfirma verkaufen, um die volle Kontrolle über den Film und dessen Aussage behalten zu können. Darum gibt es nun die Crowdfunding-Kampagne via Kickstarter, die ich aus vollem Herzen unterstütze! Finanziell und auch mit diesem Blogbeitrag. Pornofilme mögen nicht jedermanns bzw. jederfraus Geschmack sein, auch wenn es sich hier nicht um die seelenlose und monotone Großaufnahmen-fixierte Rammelei handelt wie sie im Mainstream-Porno zu sehen ist. Doch ich finde es wichtig, selbstbestimmte weibliche Sexualität – erst recht einer älteren Frau – sichtbar zu machen und bin darum absolut dabei!

Permission4Pleasure // Homepage zum Film // Kickstarter-Seite

Werdet ihr das Filmteam auch unterstützen? Die Kampagne läuft noch bis 11. August.

Nachtrag 11.08.2017: Lasst die Korken knallen, die Kampagne wurde finanziert! Einer meiner sogenannten Rewards (den Dankeschöns, die man für die finanzielle Unterstützung erhält) ist ein mit meinem Namen verzierter Körperteil von Morgana. Ich fand die Idee ziemlich originell, das Foto findet ihr bei Facebook und hier reinverlinkt 😉

Thanks Anja!

Posted by Morgana Documentary on Dienstag, 1. August 2017

••••••

Dir hat der Artikel gefallen? Dann teil ihn doch einfach!

Du willst keinen Beitrag verpassen? Dann folge Everyday Boudoir auf FacebookTwitterFeedly oder bloglovin‘! Du findest mich außerdem auf InstagramPinterest und Youtube.

Anja

Hi, ich bin Anja, Psychologin, Bloggerin und Gründerin von Everyday Boudoir. Auf Everyday Boudoir schreibe ich seit 2014 über schöne Lingerie, gut sitzende BHs und feminine Kleider für möglichst alle Größen.

Auf www.anja-wermann.de findest du außerdem Artikel zu Beziehungen, Sexualität und Körperakzeptanz. Schau doch mal rein!